Alltagsrelevantes aus der Welt der Kardiologie

By 3. Februar 2020 Medizin

Liebe Leserinnen und Leser, im folgenden Artikel möchte ich zwei alltagsrelevante Themen aus der Welt der Kardiologie aufgreifen und ein paar Antworten dazu liefern.

Wie verhält es sich mit Herzerkrankungen und dem Saunieren ?

Saunergänger benötigen ein gewisses Maß an körperlicher Fitness. Entgegen der ersten Annahme, dass der Blutdruck während des Saunaganges sinkt, zeigen Untersuchungen bei Gesunden , dass Herzfrequenz und oft auch der Blutdruck steigen und erst in der Ruhephase danach abfallen. Der Blutdruck kann sogar kontinuierlich steigen und sinkt dann zum Teil unter das Ausgangsniveau.Die gesamte Herzleistung steigt bis zu 80% an. Saunagänge sind damit zumindest so anstrengend wie eine Ergometrie und entsprechen etwa bei 20 Minuten und 90 °C einer ergometrischen Belastung von 60-100 Watt und dürften damit ebenfalls die körperliche Fitness fordern und fördern.
Für Herzkranke gilt, dass vor einem Saunagang eine ergometrische Belastbarkeit von zumindest 75 Watt vorhanden sein sollte. Überdies sollte das Saunieren bei Temperaturen von 60-70°C begonnen und darauf geachtet werden, dass der Puls nicht über die Trainingsherzfrequenz steigt.
Worauf man verzichten sollte, ist das plötzliche Abkühlen, dabei kommt es zu einem massiven Butdruckanstieg mit einer deutlichen Herzbelastung. Lauwarmes Abduschen oder Abkühlen im Ruheraum wären passend.
Grundsätzlich sind also Saunagänge für Herzkranke nicht kontraindiziert (verboten), dennoch sollten sich Herzkranke bei der Hausärztin oder dem Hausarzt oder bei ihrer Kardiologin oder ihrem Kardiologen nochmal versichern, dass Saunieren möglich ist und die entsprechende Dauer und vorherrschende Temperatur des Saunaganges erfragen, da Herzmedikamente (Blutdruckmedikamente und ß-Blocker) oftmals eine natürliche Reaktion des Körpers auf die Umstände verzögern oder verhindern und dadurch zusätzliche Probleme auftreten können.
Abschließend eine traurige Nachricht: Leider beruht der Abnehmefekt beim Saunieren lediglich auf dem Flüssigkeitsverlust, das Fett schmilzt leider nicht weg.

Ist die E-Zigarette eine Alternative zur Zigarette bei Herzkranken ?

Seit Jahrzehnten wissen wir, dass das Rauchen von Zigaretten Herzkrankheiten begünstigt und als einer der grössten Risikofaktoren für einen Herzinfarkt gilt.
Rauchen erhöht bei jüngeren Menschen massiv das Risiko eines Herzinfarkts: Bei Rauchern unter 50 Jahren ist die Gefahr eines Infarkts achtmal höher als bei Nichtrauchern.
Mit zunehmenden Alter wird der Unterschied zwischen Rauchern und Nichtrauchern dann leicht geringer. Bei Rauchern über 50 Jahren ist das Risiko fünfmal höher als bei Nichtrauchern. Raucher bekommen den Herzinfarkt im Durchschnitt zehn Jahre früher als Nichtraucher oder Exraucher. Gründe dafür gibt es genug.
Im Tabakrauch sind über 4.000 verschiedene Substanzen enthalten, von denen viele giftig für den menschlichen Körper sind. Unteranderem macht das Rauchen das Blut viskös und lässt die Blutplättchen eher verklumpen, steigert nachweisbar den Blutdruck, senkt das gute Cholesterin (HDL) und erhöht das schlechte (LDL) und schädigt direkt die Gefäßinnenwände und führt somit direkt zur Arteriosklerose ( Ablagerung von Fett, Thromben, Bindegewebe und Kalk in den Blutgefäßen).
Erschütternd ist, dass nur eine wirkliche Zigarettenkarenz diese Prozesse bremst, Rauchen auf niedrigem Niveau bei KHK (der Arteriosklerose der Herzgefäße) hilft kaum. In dem Fall macht die Dosis nicht wirklich das Gift (Zitat von Paracelsus: Alle Ding‘ sind Gift und nichts ohn‘ Gift – allein die Dosis macht, das ein Ding‘ kein Gift ist. Verkürzt : „Nur die Dosis macht das Gift“) . Das Entscheidende ist eine gänzliche Beendigung des Zigarettenkonsums. Hierbei könnten E-Zigaretten helfen.
Die neuesten Prognosen besagen, dass in 5 Jahren mehr Menschen eine E-Zigarette rauchen werden als konventionelle Zigaretten. Diese werden als gesunde Alternative zum Rauchen beworben und wie Bioprodukte angepriesen . Gesund sind E-Zigaretten bei Leibe nicht. E-Zigaretten enthalten viele giftige Substanzen die die Zellen unserer Atemwege angreifen und zu Entzündungen und Schädigungen der Atemwege führen. Sie erfüllen also alle Merkmale, die zur klassischen Raucherbronchitis mit Raucherhusten führen. Die krebserregende Wirkung dürfte niedrieger sein (Vorsicht: Langzeitstudien fehlen) und die Förderung der Arteriosklerose ebenfalls. Die Nebenwirkungen des Nikotin (Blutdruck- und Herzfrequenzsteigerung) bleiben natürlich bestehen.
Wer also lediglich kurzfristig zur E-Zigarette greift, um sich das Rauchen abzugewöhnen, tut sich aus kardialer Sicht gesehen damit vielleicht kurzfristig einen Gefallen. Dabei sollte das Nikotin ständig reduziert und schliesslich komplett weggelassen werden. Danach sollte auch die E-Zigarette zum Wohle der Lunge verbannt werden.
Eine gesunde Alternative ist der Dampf aus der E-Zigarette auf die Dauer sicher nicht, kann jedoch bei der Entwöhnungsphase hilfreich sein.

Dr. A. Jawari
Chefarzt des Rehazentrums Westend

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