Herzinsuffizienz erkennen und behandeln

By 30. September 2019 Medizin

Wenn das Herz schwächelt: Herzinsuffizienz, auch als Herzschwäche oder Herzmuskelschwäche bezeichnet, äußert sich durch verschiedene Symptome – dazu gehören Atemnot, Müdigkeit oder Wassereinlagerungen (Ödeme). Im Fall einer Linksherzinsuffizienz ist das Herz nicht mehr in der Lage, genügend sauerstoffreiches Blut aus der Lunge in das Gefäßsystem des Körpers zu pumpen. Durch die Unterversorgung kommt es zu einer spürbaren Leistungsminderung: so fühlt man sich schnell erschöpft und muss bei Belastungen, die früher kein Problem waren, häufiger Pausen einlegen, da man keine Luft bekommt. Bei einer Rechtsherzschwäche dagegen staut sich das Blut in den Körperkreislauf, was zu Wassereinlagerungen (Ödemen) führt. Am schnellsten werden diese an den Fußknöcheln und dem Fußrücken sichtbar, später können auch die Unterschenkel und die Hände betroffen sein. Ärzte unterscheiden außerdem zwischen einer systolischen und diastolischen Herzinsuffizienz – systolisch bezeichnet eine verminderte Pumpfähigkeit des Herzens, diastolisch bedeutet, dass die Herzkammern nicht mehr ausreichend mit Blut gefüllt werden.

Auslöser: Chronische Herzinsuffizienz ist in Deutschland die häufigste Einzeldiagnose für Klinikeinweisungen und gehört zu den häufigsten Todesursachen. Es gibt unterschiedliche Ursachen für eine Herzschwäche. Die häufigsten Auslöser der chronischen Herzschwäche sind: ein unzureichend behandelter Bluthochdruck, eine koronare Herzkrankheit (KHK), also eine Verengung („Verkalkung“) der Herzkranzgefäße, und als deren Folge meist ein Myokardinfarkt. Tritt eine Herzschwäche bereits im Kindesalter auf, so ist die Ursache meistens ein angeborener Herzfehler. Die Erkrankungshäufigkeit nimmt aufgrund der demografischen Entwicklung, aber auch wegen verbesserter Überlebenschancen nach Myokardinfarkt und anderen kardialen Erkrankungen weiter zu.
Therapieansätze: Der kausale Ansatz berücksichtigt je nach Vorhandensein beispielsweise die Behandlung der arteriellen Hypertonie, Myokarditis, Kardiomyopathie oder Herzrhythmusstörung. Des Weiteren gehören die Revaskularisierung bei Vorliegen einer koronaren Herzkrankheit und die Senkung der Risikofaktoren für diese mit zur Therapie der Herzinsuffizienz. Auch ein operatives Vorgehen, beispielsweise bei einem Klappenvitium, lässt sich dem kausalen Ansatz zuordnen. Die medikamentöse Therapie richtet sich nach dem Schweregrad der Herzinsuffizienz nach der NYHA-Klassifikation. Als prognoseverbessernd sind ACE-Hemmer oder AT1-Rezeptorblocker (bei Unverträglichkeit von ACE-Hemmern wie Reizhusten) in allen Stadien indiziert. Ab Stadium II sind sowohl Beta-Blocker und Diuretika als auch Aldosteron-Antagonisten und Ivabradin indiziert. Herzglykoside finden erst ab Stadium III Anwendung. Patienten mit Herzinsuffizienz sind häufig älter und multimorbide. Daher sind den geriatrischen Aspekten der medikamentösen Therapie und der Problematik der Multimedikation zu berücksichtigen. Alle Patienten mit Herzinsuffizienz sollen einen Medikationsplan erhalten, der regelmäßig von Ärzten geprüft und aktualisiert wird und auch rezeptfreie Arzneimittel enthält, um Wechselwirkungen von Medikamenten zu vermeiden. Des Weiteren soll die laufende oder geplante (Ko-)Medikation regelmäßig kritisch auf Mittel geprüft werden, die eine Herzinsuffizienz verursachen oder verschlechtern können. Dazu gehört auch, den Gebrauch rezeptfreier Medikamente, wie nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR), zu erfragen. Außerdem soll regelmäßig geprüft werden, ob die Indikation aller Medikamente weiter besteht, insbesondere wenn neue Komorbiditäten auftreten, wie Vorhofflimmern oder Nierenerkrankungen. Eine wichtige Rolle in der Langzeitbetreuung spielen zudem regelmäßige Verlaufskontrollen der Herzinsuffizienz-Medikation, um zum Beispiel lebensgefährliche Hyperkaliämien zu vermeiden.

Resynchronisations-Therapie: Durch eine Herzschwäche können sich die Herzkammern vergrößern. Das stört manchmal die elektrischen Impulse im Herz, welche die Herzaktivität steuern. Es kommt zu einem sogenannten Linksschenkelblock. Die linke Herzkammer pumpt nicht mehr harmonisch, was die Herzleistung zusätzlich schmälert. Hier hat sich eine spezielle Schrittmacher-Therapie bewährt: die biventrikuläre Stimulationstherapie oder Resynchronisationstherapie (CRT). Unter örtlicher Betäubung wird ein sogenanntes CRT-Schrittmachersystem mit mehreren Elektroden implantiert, das die linke Herzkammer wieder synchron schlagen und das Herz damit effektiver arbeiten lässt. Bei Patienten mit einer trotz optimaler Medikation anhaltenden schweren Einschränkung der Pumpleistung der linken Herzkammer (Auswurfleistung < 35%) ist der Einsatz eines speziellen Herzschrittmachers hilfreich. Er kann lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen stoppen, welche zu einem plötzlichen Herztod führen können. Er heißt implantierbarer Kardioverter- Defibrillator (ICD). Ein ICD kann auch mit einer Resynchronisationstherapie kombiniert werden (CRT-D).

Kunstherz und Transplantation: Ein Kunstherz ist ein mechanisches System, das die Pumpfunktion des Herzens unterstützt. Es hält so den Blutkreislauf in Gang, den das erkrankte Herz alleine nicht mehr ausreichend gewährleisten kann. Je nach Krankheitsbild werden Systeme zur Unterstützung einer oder beider Herzkammern verwendet. Wenn alle anderen Therapien keinen Behandlungserfolg bringen, verbleibt die Möglichkeit, das kranke Herz durch ein Spenderorgan zu ersetzen. Eine Herztransplantation stellt eine im Vergleich zum Kunstherz längerfristig wirksame Therapie dar.

Vorbeugung: Gegen die Entwicklung einer Herzschwäche hilft am besten, einen gesunden Lebensstil zu führen, die Auslöser zu vermeiden und Vorerkrankungen wie Bluthochdruck ernst zu nehmen und sorgfältig zu behandeln. Wichtig ist, Übergewicht abzubauen und sich möglichst viel zu bewegen. Rauchen gilt grundsätzlich als schädlich, bei Alkohol ist ein maßvoller Genuss empfehlenswert.

 

Dr. med. S. Belozerov
Ärztlicher Leiter Rehazentrum Westend
Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie

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