Körperliches Training bei Herzinsuffizienz

By 30. September 2019 Sport

Die derzeitige Prognose besagt, dass einer von fünf Menschen im Laufe seines Lebens an Herzinsuffizienz erkrankt. Im Folgenden werden diese Krankheit, ihre Auswirkungen sowie die Bedeutung von Bewegung für Patienten mit Herzschwäche erläutert.
Bei der Herzinsuffizienz ist das Herz zu schwach, ausreichend Blut durch den Körper zu pumpen. Das heißt, dass es sich hierbei um eine Funktionsstörung einer oder beider Herzkammer(n) handelt, die zu einer eingeschränkten körperlichen Belastbarkeit führt. Es kann zu einem sogenannten Vor- oder Rückwärtsversagen kommen. Bei einem Rückwärtsversagen staut sich das Blut, das aus dem Körper und der Lunge zum Herzen zurückfließt, was sich beispielsweise durch Wassereinlagerungen im Körper bemerkbar macht. Beim Vorwärtsversagen hingegen ist die Aus-
wurfleistung des Herzens nicht hoch genug, um den Körper ausreichend mit Blut zu versorgen. Dadurch gelangt weniger Sauerstoff in die Organe, so dass Atemnot/-schwäche auftreten kann.
Neben der sehr wichtigen medikamentösen Behandlung oder der Möglichkeit einer Operation bei schwerer Form der Herzinsuffizienz, können Herzinsuffizienzpatienten auch durch körperliches Training mit intensiver, therapeutischer Betreuung ihren Allgemeinzustand verbessern.
Regelmäßiges körperliches Training hat für Menschen mit Herzschwäche viele positive Auswirkungen. Die Herzfrequenz kann sinken, was das Herz entlastet. Gleichzeitig kann die Sauerstoffaufnahme um 20 bis 25 Prozent gesteigert werden, was die Leistungsfähigkeit verbessert und die körperliche Belastbarkeit steigert. Darüber hinaus steigt die Durchblutung im gesamten Körper und eine stärkere Muskulatur erleichtert dem Herz die Arbeit. Mit regelmäßiger körperlicher Aktivität und moderatem Training können Patienten mit Herzschwäche ihre Lebensqualität verbessern und das Risiko eines Krankenhausaufenthaltes verringern.
Regelmäßiges moderates Training und dynamische Bewegung wie beim Walking oder Radfahren steigern zusätzlich die Belastbarkeit (Belastungstoleranz) und das Wohlbefinden von Menschen, die unter stabiler chronischer Herzinsuffizienz leiden. Allerdings sollten Patienten mit Herzinsuffizienz Sportbelastungen mit statischer Muskelanspannung vermeiden, da die Muskulatur bei statischer Belastung schlechter mit Sauerstoff versorgt wird. Aber auch Menschen mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz können von regelmäßiger Bewegung profitieren, wenn sie die geeigneten Bewegungsformen wählen. Daher ist es wichtig, die Trainingsintensität an den Schweregrad der Herzinsuffizienz anzupassen.
Bei guter Belastbarkeit des Herzens sind Ausdauersportarten wie zügiges Spazierengehen, Wandern, Radfahren oder auch gemäßigte Gymnastik möglich. Die Trainingsintensität sollte hierbei zwischen 40 und 70 Prozent der maximalen Herzfrequenz liegen und entsprechend an die individuelle Leistungsfähigkeit angepasst werden.
Bei geringerer Belastbarkeit des Herzens sind leichte Belastungen wie Gehen, Treppensteigen sowie die Teilnahme an einer betreuten Herzsportgruppe zu empfehlen. Hierbei sollte man sich zwischen 35 und 55 Prozent der maximalen Herzfrequenz aufhalten.
Neben dem Ausdauertraining ist für Herzinsuffizienz-Patienten auch moderates Krafttraining mit ausreichend Pausen und intensiver Betreuung eines Sporttherapeuten oder Arztes, zur Verhinderung fehlerhafter Ausführung von Übungen oder Überbelastung, möglich. Besonders wichtig ist die richtige Atemtechnik, um beispielsweise Pressatmung und einen damit verbundenen Druckanstieg im Brustraum zu verhindern.
Die eben angesprochenen Aspekte erfüllen wir im Rehazentrum Westend. Unsere Herzpatienten genießen eine sorgfältige, kardiologische und physiotherapeutische Betreuung. In den Herzsportgruppen wird eine ausgewogene Mischung aus leichtem Ausdauer- und Krafttraining sowie koordinativen Übungen zur Verbesserung der Hirnleistung und Zusammenspiel von Nerv und Muskel angeboten.

Christian Dusold

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